Chronik der Fußballabteilung des Kultur- und Sportvereins 1888 e.V. Urberach

Der Kultur- und Sportverein 1888 e.V. Urberach entstand durch die Wiedergründung der Urberacher Vereine, die 1933 durch den Nationalsozialismus aufgelöst und deren Vermögen beschlagnahmt wurde. Es waren dies die ehemalige freie Turngemeinde 1888, die Spielvereinigung 1919 und die Sängervereinigung 1907.

Die Spielvereinigung 1919 wiederum entstand am 12. März 1919 durch den Zusam-menschluss des Fußballclubs Germania 1910 und des Sportclubs 1916. Noch im gleichen Jahr wurde beim Süddeutschen Fußballverband der Aufnahmeantrag gestellt.

Der neue Verein wurde der C-Klasse des Dreieich-Gaues zugeteilt und konnte dank seiner Spielstärke noch im selben Jahre in einem Entscheidungsspiel, das in Nie-derrad stattfand, gegen die Turngemeinde Sprendlingen durch einen 2:1-Sieg den Aufstieg in die B-Klasse erzielen.

Schon 1921 wurde der Verein Meister der Klasse 13 des Dreieich-Gaues, was ihn wieder einen Schritt vorwärts brachte, in dem er sich den Aufstieg zur A-Klasse sicherte. In dieser Klasse spielte die Spielvereinigung 1919 stets eine hervorragende Rolle. Zweimal stand sie mit dem Sportverein 05 Oberrad in einem Entscheidungs-spiel.

Leider war der Mannschaft beide Male das Glück nicht hold. Doch mit sportlicher Fairness ertrug man die Niederlage, weil das Bestreben nicht nur darauf gerichtet war, Meisterschaften zu erwerben, sondern der Verein in erster Linie die Verpflich-tung übernommen hatte, den Sport als kulturelle Aufgabe zu betrachten, um der Jugend zu dienen.
1925 wurde die A-Jugend in einem Entscheidungsspiel gegen die A-Jugend von Viktoria 09 Urberach durch einen 1:0-Sieg Kreismeister des Dreieich-Gaues.

Ein großer Wandel im Verein vollzog sich 1926. Durch ein tragisches Fehlurteil des Süddeutschen Fußballverbandes glaubte man benachteiligt zu sein, zog daraus die Konsequenzen und wechselte zum Arbeiter-, Turn- und Sportbund.

Dort wurde 1927 die Bezirksmeisterschaft des 1. Bezirkes im 9. Kreis errungen. 1929 wurde man Kreismeister des 9. Kreises, was zur Teilnahme an den Endspielen zur süddeutschen Meisterschaft berechtigte. Die damaligen Endspielgegner waren Nürnberg, München, Mannheim-Neckarau und Neckar-Gardach. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das Spiel auf dem Viktoriasportplatz, das gegen Nürnberg ausgetragen wurde und eine Zuschauerzahl zu verzeichnen hatte, wie man sie selten in Urberach und Umgebung sehen konnte. Außerdem wurde in diesem Jahr sowohl die 2. Mannschaft als auch die Jugendmannschaft Bezirksmeister.

Der sportliche Aufstieg sollte jedoch bald ein jähes Ende nehmen.

Es kam das verhängnisvolle Jahr 1933 und damit die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Alle Arbeiter-, Turn-, Sport- und Gesangvereine wie auch die übrigen Vereine, die links tendierten, wurden aufgelöst und das gesamte Vermögen beschlagnahmt. Ein Stück deutscher Kultur war damit ausgelöscht. Nach Ende des 2. Weltkrieges dauerte es jedoch nicht lange, bis die Sportbewegung in Urberach wieder neu ins Leben gerufen wurde. Schon 1945 schlossen sich alle sporttreibenden Vereine der Gemeinde unter dem Namen Verein für Leibesübungen zusammen. Man war in dem guten Glauben, dass nun die Bahn für einen Großverein frei sei. Leider war dieser Zusammenschluss nicht von langer Dauer. Innerliche Machtkämpfe wie auch politische Argumente führten dazu, dass sich der Verein 1947 wieder auflöste und jeder getrennte Wege ging.

Im Januar 1949 wurden die Vorstände der ehemaligen Vereine wieder zusammen-gerufen und es wurde der Kultur- und Sportverein aus der Taufe gehoben. Sänger, Fußballer und Turner vereinten sich. Das gab Ansporn zu neuen Taten.

Auch auf die Fußballer wirkte sich der Zusammenschluss der drei Vereine zum Kultur- und Sportverein positiv aus. Es dauerte nicht lange, bis der Ablauf innerhalb der Fußballabteilung in geordnete Bahnen gelenkt war und ein regelmäßiger Spiel-betrieb anlief.

Vom Hessischen Fußballverband wurden die KSV-Fußballer der A-Klasse zugeteilt. 1952 wurde die Meisterschaft in dieser Klasse nur um einen Punkt verpasst. Trotz dieser Enttäuschung hatte das Jahr 1952 doch noch eine besondere Bedeutung: es kam zur Begegnung mit schwedischen Fußballern. Dieser Versuch, nach dem schrecklichen Krieg wieder Brücken ins Ausland zu schlagen, bewegte nicht nur die Spieler und den Verein, sondern die gesamte Urberacher Bevölkerung.
Die schwedischen Fußballer wurden im Rathaus durch Bürgermeister Adam Spamer und der gesamte Gemeindevertretung empfangen. Nach dem Spiel erfolgte ein Umzug durch die Straßen Urberachs hin zum Volkshaus, wo die ausländischen Gäste von den Mitgliedern des KSV herzlich begrüßt wurden.

Durch eine neue Klasseneinteilung kamen die KSV-Fußballer in diesem Jahr in die Bezirksklasse, wo sich die Mannschaft über mehrere Jahre auf vorderen Tabellen-plätzen behaupten konnte. Jedoch stand am Ende der Saison 1955/56 der Abstieg in die A-Klasse. Mit dem neuen Trainer Heil wurde in der Runde 1956/57 bereits wieder der zweite Tabellenplatz erreicht. Dieser Erfolg beflügelte die Spieler und so wurde die Saison 1957/58 für den KSV ein großer Erfolg. Von Anfang der Runde bis zu ihrem Schluss hielt die Mannschaft die Tabellenspitze und wurde mit klarem Abstand Meister in der A-Klasse.

In den nun folgenden Spielen ging es um den Aufstieg in die 2. Amateurliga des Bezirks Darmstadt. Der KSV musste gegen Gernsheim, Heppenheim, Arheiligen und Michelstadt antreten. Von den 8 Spielen gewann der KSV sechs, eines ging verloren und eines endete unentschieden. Die Mannschaft war tatsächlich reif für diese Klasse. Die Spiele in der 2. Amateurliga waren für die KSV-Fußballer jedoch kein Zuckerschlecken. Der schnelle Abstieg drohte und es wurde verzweifelt um den Klassenerhalt gerungen, der erst am Ende der Rückrunde gesichert werden konnte. Dieser Klassenerhalt war in erster Linie dem neuen Trainer Blickhan zu danken.

1960 gab es wohl den größten sportlichen Triumph der Fußballabteilung des KSV Urberach: die Meisterschaft in der 2. Amateurliga. Es bleibt vielleicht einmalig in der Geschichte der Fußballabteilung des KSV, dass eine Meisterschaft mit so klarem Vorsprung errungen wurde.
Nach zwei siegreichen Aufstiegsspielen gegen den Vertreter des Bezirks Kassel (Korbach) war der Aufstieg in die höchste hessische Amateurliga geschafft. Die Gemeinde Urberach mit knapp 5000 Einwohnern war jetzt zu einer Hochburg des Fußballs geworden, da der “Ortsrivale“ Viktoria schon in dieser Klasse spielte. Leider konnten sich die KSV-Fußballer in dieser Klasse nicht lange halten, vor allem auch deshalb nicht, weil der Goalgetter der Mannschaft, Siegfried Kraus, als Vertragsspieler zum FSV Frankfurt wechselte.

In den folgenden Jahren ging das sportliche Geschehen mit seinen Siegen und Niederlagen weiter. Die Fußballabteilung hatte sich in der Bezirksklasse Darmstadt einen festen Stammplatz erspielt. In dieser Zeit vollzog sich allerdings auch ein Wandel in Urberach. Die früher oft überbetonten politischen Gegensätze wichen mehr und mehr dem sportlichen Geist. Da Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt, versuchten beide Urberacher Fußballvereine nach Möglichkeit immer in der gleichen Klasse zu spielen.
1969 kam Reinhard Nostadt als neuer Trainer zum KSV. In diesem Jahr gehörte die Mannschaft der A-Klasse an. Aber bereits 1970 gelang die Rückkehr in die Bezirks-klasse Darmstadt. Man konnte sich in der spielstarken A-Klasse Darmstadt West hinter Opel Rüsselsheim (Amateure) platzieren. Der Klassenerhalt war auch in den nächsten Runden möglich.

Am 24. Juli 1971 konnte nach vierjähriger Bauzeit das neue Spielfeld in Betrieb genommen werden. Das Einweihungsspiel bestritt eine Kombination KSV/Viktoria gegen eine Auswahl Germania Ober-Roden/FV Eppertshausen. 500 Zuschauer erlebten nach guten Leistungen einen 4:2-Sieg der Auswahl Ober-Roden/Epperts-hausen. Das Vorspiel der Damenteams FV Eppertshausen gegen SV Kleestadt rief bei den Fußballfans viel Freude hervor.

Das Jahr 1973 brachte einen Trainerwechsel: Für Reinhard Nostadt kam der Spieler-trainer Bernd Breithaupt. Mit ihm war in diesem Jahr und auch 1974 der Verbleib in der Bezirksklasse möglich. Im Sommer 1974 stand erstmals für das Sommerfest der Fußballabteilung eine überdachte Halle am Sportplatz zur Verfügung.

Im Bericht der Fußballabteilung über die Verbandsrunde 1974/75 kann man jedoch von großen Problemen lesen. Dass es die 1. Mannschaft am Ende der Vorrunde nur auf 5 Pluspunkte gebracht hatte, wurde durch den verletzungsbedingten Ausfall zahl-reicher Stammspieler erklärt. Da keine Mannschaft in der Regel solche Ausfälle ver-kraften kann, folgte am Ende der Runde 1975/76 der Abstieg in die A-Klasse, verbun-den mit dem Weggang von Trainer Breithaupt und der Verpflichtung des neuen Trainers Fiedler aus Darmstadt.

1980 begannen auf dem Sportplatzgelände im Erlenwald umfassende Bauarbeiten: Die Anlage eines dritten Spielfeldes und der Bau von Dusch- und Umkleideräumen wurde in Angriff genommen.

Bis 1982 blieb die 1. Mannschaft der KSV-Fußballabteilung in der A-Klasse. Nach Beendigung der Saison 1981/82 musste die Fußballabteilung den Abstieg in die B-Klasse antreten. Es war das erste Mal in der Vereinsgeschichte, dass in dieser Klasse gespielt werden musste. Jedoch setzte man sich das Ziel, den sofortigen Wiederaufstieg in die A-Klasse zu schaffen. Zu diesem Zweck wurde der junge dynamische Spielertrainer Pampuch verpflichtet.

Aber auch ein erfreuliches Ereignis gibt es aus diesem Jahr zu berichten: Mit dem Beginn der Runde konnten die neuen Dusch- und Umkleidekabinen ihrer Bestim-mung übergeben werden. Bei der Einweihungsfeier in Gegenwart von Bürgermeister Faust wurde allen Mitgliedern, die in uneigennütziger Weise ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellten und so dem Verein größere finanzielle Belastungen ersparten, ein herzliches Dankeschön ausgesprochen.

In der Saison 1982/83 konnte tatsächlich der Wiederaufstieg in die A-Klasse realisiert werden. Obwohl mit dem Spielertrainer Pampuch die Meisterschaft errungen wurde, trennte man sich. An seine Stelle trat wiederum Reinhard Nostadt.
Die folgende Runde war erneut von Schwierigkeiten gekennzeichnet. Als die Mann-schaft Ende Dezember 1983 auf einem Abstiegsplatz stand, versuchte man, mit einem Trainerwechsel das Abstiegsgespenst zu bannen. Der neue Trainer Bernd Breithaupt war für den Verein ja kein Unbekannter mehr, da er in früheren Jahren schon einmal als Spielertrainer tätig war. Zwar gelang mit ihm der Klassenerhalt, aber bereits im November 1985 wurde er von dem Spielertrainer Christian Hansetz abgelöst.

Anlässlich des Sommerfestes der Fußballabteilung wurde am 19. Juli 1985 das dritte Spielfeld eingeweiht. Eine Rodgauauswahl und eine Rödermarkauswahl bestritten das Eröffnungsspiel. Die Sportplatzanlage des KSV im Erlenwald stellte sich somit als eine vorbildliche Einrichtung vor. Mit drei Spielfeldern, zwei Klein-Spielfeldern, modern eingerichteten Dusch- und Umkleidekabinen sowie einem Mannschafts- und Jugendraum stand dem Verein nunmehr eine optimale Anlage zur Verfügung.

Das Jahr 1986 begann mit einer Premiere: Am 4. und 5. Januar wurde das erste Hallen-Fußballturnier des KSV in der Halle Urberach durchgeführt. Da es allgemein großen Anklang fand, entschloss man sich spontan ein solches Turnier zur ständigen Einrichtung zu machen. In diesem Jahr spielte die 1 Mannschaft in der A-Klasse und mit Beginn der Saison 1986/87 übernahm Spielertrainer Dietmar Brendel aus Dietesheim die Betreuung der Mannschaft. In der Sommerpause 1986 wurde auf dem Hauptspielfeld eine Drainage verlegt und gleichzeitig eine automatische Berieselungs-anlage installiert. Auch diese Arbeiten geschahen fast ausschließlich in Selbsthilfe.


Fortsetzung folgt